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Freitag, 3. September 2010

Mertens Kommentar: Hände weg von den Ergebnissen des "Medien Tenor "!

Kommentar

Roland Schatz und sein "Medien Tenor" werden im Jahr 2004 von perfiden und ganz und gar abgefeimten Bösewichten heimgesucht, die seine Ergebnisse verfälschen und in den Dreck ziehen.

Das fing an mit jenem Sender, dessen Nachrichten so ätzend langweilig sind, dass alle Zuschauer sich für die Dauer der Nachrichten eilends aufs Örtchen retten. Über Jahrzehnte hinweg wurde diese üble Verschwendung von Rundfunkgebühren totgeschwiegen, keiner mochte darüber reden, niemand wollte dieses anrüchige Tabu brechen. Bis der "Medien Tenor" – wissenschaftlich fundiert, objektiv und unabhängig, wie es stets seine Art gewesen ist – dieses öffentlich-rechtliche Desaster signifikant offenlegte und endlich, endlich das Schweigen brach: „Ein Blick auf die Statistik des Wasserkonsums zeigt aber, dass die Menschen die Zeit (...) um 20 Uhr zum Toilettengang nutzten“ ("Medien Tenor", Jg.11/ 2004, Heft 146). Welch Abgrund von Medienverrat! Müssen wir uns wundern, dass der auf diese Weise entlarvte Sender sofort in ein heulendes Dementi ausbrach? Nein, natürlich nicht, denn wir wissen doch: Getroffene Hunde bellen (vgl.: www.ndr.de/tv/zapp/themen).

Dann traten da bösartige, hinterhältige und durch und durch verderbte Neider auf den Plan, die den "Mediendax 30", das neueste Produkt des "Medien Tenor", jeweils im Fachmagazin "pressesprecher" abgedruckt, bei dessen Verleger afterredeten. Bösartig, weil sie den Zahlen des "Mediendax 30" nicht glauben wollten; hinterhältig, weil sie das auch noch öffentlich sagten und verderbt, weil sie mit statistischen Maßen wie dem Felix-Krull-Faktor und dem Potemkin-Index hantierten und damit die Wahrheit einfach auf den Kopf stellten. Gott sei Dank gibt es ordentliche Gerichte, die diesen Spuk effektvoll zu unterbinden wissen.

Und dann war da am 30. September 2004 noch die erste TV-Debatte der Kandidaten Bush und Kerry zum Auftakt der US-Präsidentschaftswahl, die der "Medien Tenor" im Auftrag von "SPIEGEL ONLINE" inhaltsanalysieren und den Sieger feststellen sollte. Roland Schatz ist für solche Analysen prädestiniert, denn er und seine Daten haben offenbar längst Zugang zum Weißen Haus: „Zehn Jahre Medien Tenor: Inzwischen kommt auch die US-Regierung nicht mehr ohne Roland Schatz aus“ – so konnte man es schon im Juli lesen (vgl.: "Die Welt", 20.7.2004).

Schatz und seine Eliteeinheiten lieferten denn auch eine bravouröse Blitzanalyse ab, die einen Tag später unter der domain "www.spiegel.de/politik/ausland" zu finden ist und in der bekannten Präzision des "Medien Tenor" das wiedergibt, was amerikanische Umfrage-Institute und Medien am anderen Tag vermelden: Der Herausforderer Kerry liegt – so übereinstimmend drei Blitzumfragen der großen amerikanischen Sender CNN, CBS und ABC – in der Gunst der amerikanischen Wähler nach dieser Debatte mit etwa 45:36 klar vor Bush. Einhellige Feststellung der amerikanischen Medien: „Blitzumfragen sehen Kerry als Sieger“.

Toll, wie messerscharf identisch Schatz und seine Truppe gearbeitet haben. Aber wie ist es nur möglich, auch hier: Verrat, Verrat! Ganz offenbar hat nämlich irgend jemand - ein Hacker? Ein Decoder? Ein östlicher Nachrichtendienst? Ein westlicher Mißgünstling? - die Ergebnisse des "Medien Tenor" auf dem Weg von Bonn nach Hamburg ganz, ganz bösartig einfach auf den Kopf gestellt. Denn bei "SPIEGEL.ONLINE" macht der "Medien Tenor" mit der Schlagzeile „Der Herausforderer verpaßt seine Chance“ auf und führt im weiteren aus: „Medien Tenor bescheinigt Kerry eine verpaßte Chance: Der Herausforderer liegt in den Umfragen zurück und ist nun im Zugzwang. In der nächtlichen Debatte gelang es ihm nicht, den Trend umzukehren – zumindest gemessen an sachpolitischen Themen [...] Bush agierte überwiegend aus staatstragender Position und verzichtete weitgehend auf direkte Attacken gegen seinen Herausforderer [...] Bush nutzte die 90 Minuten nationaler TV-Präsenz, um seinen Herausforderer alle fünf Minuten als unstete Persönlichkeit darzustellen“. Welch bösartiges Zerrbild! Wer hätte an solche Perfidie gedacht?

Über derartige Verfälschungen sind wir geziemend empört. Wir kondolieren dem "Medien Tenor". Und wir vermuten, dass es nicht das erste Mal ist, dass man ihm so mitspielt. In banger Ahnung fragen wir uns: Könnte es nicht sein, dass das deutsch-amerikanische Verhältnis deswegen so schlecht ist, weil Daten und Analysen des "Medien Tenor" unterwegs immer von irgendjemand gefälscht werden?

Professor Dr. Klaus Merten, Münster

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