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Freitag, 3. September 2010

Reale und virtuelle Welt wachsen zusammen, aber "Menschen, die lesen, werden immer wichtiger"

Die Kommunikation mit dem Verbraucher wird künftig noch individueller und direkter. Das hat der Deutsche Werbekongress dwk 2007 ergeben, an dem rund 300 Werbeprofis teilgenommen haben. Internationale Experten diskutierten die Entwicklung der Medienbranche und die Chancen der Digitalisierung. Veranstalter des dwk ist der Europa-Fachpresse-Verlag mit seinen Zeitschriften Werben & Verkaufen, Kontakter, media & marketing und marketingjournal.

Die Zukunft der Medien liegt nach Meinung aller Experten "in der Digitalisierung und Diversifizierung ihrer angestammten Geschäftsfelder" wie Michael Beilfuß, Verlagsleiter IDG Business Media sagte. Die meisten Medienhäuser hätten das inzwischen erkannt und die Verlage seien dabei, sich dem veränderten Informationsverhalten der Menschen anzupassen. Sie sollten "Print nicht schützen". Das schnelle Internet habe bei den Nachrichten erste Priorität und die Printmedien hätten ihre große Chance in der tiefergehenden und ergänzenden Berichterstattung.
Die nächste Internet-Generation wird als soziale Kommunikations- und Informationsplattform alle Bereiche des Lebens beherrschen und den Alltag der Menschen völlig verändern, sagte Marc Hoenke, Leiter Marketing und Product Management Microsoft Online Services. Es werde zu einer der stärksten Werbeplattformen wachsen, weil die direkte Kommunikation mit kleinen Zielgruppen und Einzelpersonen möglich sei.Torsten Ahlers, Geschäftsführer AOL Deutschland: "Die Medien werden Response-orientierter." Die Messbarkeit der Kommunikation sei für Unternehmen und Agenturen ein wichtiger Bestandteil ihrer Kampagnenplanung. Neben klassischer Werbung sollten innovative Marken auch neue Wege gehen, war die Meinung des Expertenforums. Gutes Beispiel dafür sei die Horst-Schlämmer-Kampagne von Volkswagen im Internet, mit der das Unternehmen einen innovativen Weg gegangen sei, aber mit "überwältigendem Erfolg", so Ralf Maltzen, Leiter CRM und Internetmarketing Volkswagen AG.
Auch TV-Manager sehen in der direkten Kommunikation die Zukunft, halten die Rolle des Fernsehens aber nicht für gefährdet. Dr. Andrea Malgara, Geschäftsführer SevenOne Media GmbH: "Das Fernsehen bleibt auch künftig unersetzlich, denn es bietet Familien die wichtige Möglichkeit, sich einmal am Tage quasi am Kamin zu treffen." Mit Rückkanälen böten die privaten Sender den Zuschauern schon heute die Möglichkeit, ganz direkt mit den Sendern Kontakt aufzunehmen und Informations- und Kaufangebote zu nutzen.
Die großen deutschen Verlagshäuser setzen auf die Stärken ihrer eingeführten Zeitschriften- und Zeitungstitel. In Zukunft komme es darauf an, "dass sich Medienmarken nicht mehr nur über Print definieren", sagte Peter Würtenberger, Vorsitzender der Verlagsleitung Axel Springer AG. Das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr setzt bereits bei fast allen seiner Zeitschriften auf Online. Guido Modenbach, stellvertretender Leiter G+J Media Sales: "Der Transport der Kernmarken auf andere Medienkanäle ist ein bei uns erfolgreiches Modell." Neben dem Internet sehen die Verlagshäuser das Fernsehen als weitere Plattform für die Markenerweiterung. Die gedruckten Medien seien aber auch künftig nicht wegzudenken, denn sie erreichten eine wertvolle Zielgruppe, "Menschen, die lesen - denn die werden immer wichtiger", so Modenbach.
Das Motto der Zukunft heißt nach Ansicht der Trendforschers Andreas Steinle vom Hamburger Zukunftsinstitut: "Geist ist geil - nicht Geiz ist geil". Menschen würden "lernen, wissen und sich vernetzen". Steinle: "Vor uns liegt ein hyper-moralisches Zeitalter. Ein Megatrend ist die Neo-Ökologie, die Menschen werden sinnvoller konsumieren." Das Internet werde die Menschen zu neuem sozialen Verhalten führen, zu neuem Einkaufsverhalten, bei dem mobile Medien wie das Handy eine große Rolle spielen. Auch virtuelle Welten würden zunehmend Bedeutung bekommen, denn "die Menschen werden immer mehr Übung bekommen, von der realen Welt in die virtuelle Welt zu wechseln".

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