Jedenfalls ist das meine Prognose. Denn eigentlich (und leider) haben wöchentliche Talkshows und Qualitätsjournalismus oft nicht allzu viel gemeinsam und das bleibt aller Wahrscheinlichkeit nach auch so, wenn aus Moderatorin Moderator und aus Halstuch Schlips wird.
Es wird uns weiterhin befallen, hinterher, dieses leere Gefühl im Kopf. Man fragt sich: Das soll's jetzt gewesen sein? Oder, mal rein professionell betrachtet: Wie hat die Agentur ihren Kunden eigentlich wieder in die Sendung gekriegt? Reicht es, mit den richtigen Leuten Mittag zu essen? Und: Warum hat dem Kunden nach der ersten "Wir-sind-in-der-Sendung-Euphorie" niemand gesagt, was er eigentlich sagen, wie er auftreten soll? Denn selbst, wenn man sicher sein darf, keine unbequemen Fragen gestellt zu bekommen: Das Bild allein spricht doch Bände. Wie geriert man sich also vor einem Millionenpublikum auch wenn es bloß bügelt? Schaut man in die Kamera? Vielleicht schaut der Mensch ja gerade vom Bügelbrett auf, während man gerade in der Nase bohrend Format füllend zu sehen ist? Da kann man hinterher noch so gut argumentieren das Image ist dahin.
Aber mal was anderes, wo wir eben schon beim Thema Moderator waren: Wenn Sie mich fragen, sollten DJV und ARD dem Jauch alle Werbung dieser Welt erlauben, Hauptsache, er übernimmt die Sendung. Die Alternative "weiter so" wäre allzu erschreckend. Wen kratzen die Werbeaufträge denn schon? Na ja, nun gut. Ich habe mich daran gewöhnt, einfach wegzuschalten, wenn mir allzu häufig auftretende Nasen vor die Fernbedienung kommen. Die armen Call-Center-Mitarbeiter der Lotterie müssen regelmäßig mit meinen Kraftausdrücken leben, wenn sie mir mal wieder vom Bildschirm ablesend weismachen wollen, sie sollten mir schöne Grüße von Günther ausrichten.
Doch ist's zu glauben? Die rufen trotzdem immer wieder an. Eine "Das-Zielobjet-kann-die-Klassenlotterie-offenbar-nicht-leiden-und-reagiert-äußerst-gereizt-auf-unerbetene-Anrufe-Taste" scheint es in der Call-Center-Welt offenbar nicht zu geben. Inzwischen bin ich deswegen dazu übergegangen, gar nicht mehr zu antworten, sondern direkt aufzulegen, sobald ich den Namen Günther höre. Glücklicherweise ruft mich außer dem Moderator bzw. seinen merkwürdig mechanisch klingenden Botschaftern niemand dieses Namens an.
Vielleicht ist das die Lösung? Wenn wir das alle machen einfach auflegen und wegzappen dann hat es sich mit den Werbeaufträgen über kurz oder lang erledigt. Dann bräuchte sich auch die ARD keine Gedanken mehr zu machen und erst recht nicht der DJV. Also! Packen wir's an und legen wir auf!
Florian Ries
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