Auf eine Distanz von sieben Metern schafft es die Monsterfernbedienung aus dem sonnenverwöhnten Kalifornien nach Angaben der modernen Zorros, bis zu 1000 unterschiedliche Fernsehmodelle zu manipulieren. Klar, in Kalifornien muss man ja auch quer über den Pool zappen können. Aber es geht halt auch anders herum: Denn mit einem solchen Instrument gerüstet, ist es ein Kinderspiel, die flimmernden Hassobjekte in den einstweiligen Ruhestand zu versetzen.
Ein solches Schauspiel wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Darum machte ich mich jeden Abend in der Woche auf den Weg in eine andere Kneipe, besuchte Discos, Burgertempel, Pizzabäcker und vieles mehr. Tagsüber trieb ich mich in Einkaufshäusern herum, die ein dudelndes Etwas über die Kleiderständer in der Jugendabteilung gehängt hatten. Was tut man nicht alles für ein Stückchen gute Unterhaltung?
Allein Fernseher sah ich viele, Aktivisten sah ich keine. Ich habe in dieser Woche zum ersten Mal in meinem Leben keine wichtige Sendung auf MTV verpasst und war vermutlich bei allen bedeutenden und weniger bedeutenden Sportevents live dabei. Ich habe nervige Börsenkurse über Bildschirme huschen sehen, während blutjunge Analysten über die Performance von hundert Jahre alten Unternehmen lästerten. Kaufhausdetektiven musste ich mehr als einmal erklären, warum ich mich einfach nur so umschaue und das stundenlang.
Wo waren meine Befreier? Immer wenn verdächtig aussehende Menschen ein Lokal betraten, hoffte ich, das wären nun endlich diejenigen, die mich von Fußball, Snooker und brabbelnden Fernsehmoderatoren erlösen würden. Doch vergebens. Anscheinend ist London ein anderes Pflaster. Oder etwa nicht?
Ich habe am Wochenende Freunde in London angerufen und sie gefragt, ob sie selbst oder vielleicht wenigstens einer ihre Bekannten ein Zusammentreffen mit einem Robin Hood der "Weißer-Punkt"-Bewegung hatten. Fehlanzeige.
Was bleibt? Die Erkenntnis, dass die Aktionisten eigentlich Recht haben. Das hat mir die vergangene Woche zweifelsfrei belegt. Fernsehen muss nicht überall sein und auch nicht immer. Wenn ich einen Fernseher in der Ecke sehe, dann suche ich mir in Zukunft immer eine andere Kneipe.
Trotzdem habe ich den kalifornischen Hersteller der Superfernbedienung angeschrieben. Denn im Gegensatz zur Kneipe kann ich mir meinen Nachbarn nicht aussuchen. Und wenn Sie mich fragen, dann hat der den völlig falschen Fernsehgeschmack. Aber nicht mehr lange
von Florian Ries
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