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Dienstag, 7. Februar 2012

Sorry, wrong number - von Florian Ries

Neulich war ich mal wieder mit Frank im Froschkönig – Sie wissen schon: Mein Kumpel, der sich als PR-Spezialist in einer PC-Firma seine Brötchen verdient. Immerhin, seit er kein Redakteur im Fachverlag mehr ist, der unter schlechten Pressetexten leidet, ist er uns PR-Leuten gegenüber wesentlich toleranter geworden. Die Abende am Tresen sind seither viel gemütlicher.

Am Anfang hat mir seine übliche PR-Schelte ja ein wenig gefehlt, aber ich habe mich schließlich dran gewöhnt. Und an besagtem Abend war es sowieso eher an mir, zu schimpfen. „Was ist Dir denn über die Leber gelaufen? Musstest Du gerade die Rotation stoppen oder was?“, fragte Frank, kaum, dass ich mich an den Tisch gesetzt hatte. „Schlimmer“, entgegnete ich. „Ich beginne langsam, Spam-Mails als sympathische und durchaus akzeptable Kontaktanbahnung zu betrachten.“ Und dann erzählte ich ihm von meinem Tag.
Schon am Morgen klingelte das Telefon. Nichts Ungewöhnliches, bei mir klingelt ständig das Telefon. Aber hier meldete sich eine Call Center Mitarbeiterin meines Telefonanbieters. Nachdem sie mich etwa dreimal gefragt hatte, ob ich der bin, den sie zu erreichen gehofft hatte, bot sie an, mich über die Vorzüge neuer Spartarife aufzuklären. „Kennen Sie schon unsere neuen Spartarife?“ „Nein.“ „Aber Sie wollen doch sicher Telefonkosten sparen?“ „Ja.“ „Wann telefonieren Sie denn meistens?“ „Lesen Sie meine Rechnungen nicht?“ „Nein.“ „War auch nur ein Scherz.“ „Ach so. Also, Herr … – äh – , wann telefonieren Sie meistens?“ „Eigentlich ständig. Deswegen benutze ich Call-by-Call Rufnummern. Kriegen Sie das billiger hin?“ Das wusste die Dame komischerweise nicht, fragte aber noch artig, ob sie mich später wieder anrufen dürfe. (Vermutlich blinkte auf ihrem Bildschirm bereits ein Warnlämpchen: Zeit pro Kunde abgelaufen – Vertragsabschluss oder sofort freundlich lächelnd Auflegen!) Ich ließ ein deutliches „Nein“ vernehmen.
Zwei Stunden später. Eine örtliche Tageszeitung rief mich an. „Guten Tag, ich rufe von der Zeitung XY an, sind Sie Herr …?“ „Warum wollen Sie das wissen?“ „Möchten Sie unsere Zeitung gerne eine Woche unverbindlich Probelesen?“ „Nein.“ „Warum nicht?“ „Ich habe schon eine Tageszeitung, eine Wochenzeitung und Internet.“ „Welche Tageszeitungen lesen Sie?“ „Ihre jedenfalls nicht. Woher haben Sie meine Telefonnummer?“ „Ach so. Und Sie wollen wirklich nicht probelesen?“ „Nein. Woher haben Sie meine Telefonnummer?“ „Sie stehen hier auf meiner Liste. Darf ich Sie zu einem späteren Zeitpunkt nochmals anrufen, wenn Sie es sich noch einmal überlegt haben?“ „Nein, mein Entschluss steht fest.“ „Dann danke ich für Ihr Interesse. Bis später.“ Mein Protest ging im Besetztzeichen unter.
Am Nachmittag dann die Krönung: Ich erspare dem Leser an dieser Stelle das Protokoll: Eine Lotteriegesellschaft ließ mir von einer Stimme vom Band ins Ohr trällern, dass ich Superchancen hätte und dass man im Auftrage eines der beliebtesten Fernsehmoderatoren Deutschlands nur bei mir persönlich anrufe, um mir ein Wahnsinnsangebot zu unterbreiten. Meine Verfluchungen fielen bei der Bandansage natürlich nicht auf fruchtbaren Boden, daher legte ich einfach auf.
„Ja, dann kann ich verstehen, warum Du so schaust wie Du schaust“, sagte Frank. „Ich habe deswegen gerade mein Versandhaus gewechselt.“ Sie müssen wissen: Frank kauft seine Klamotten bei einem Versandhaus. Schon immer. Deshalb hassen ihn seine Nachbarn wie die Pest. Sie müssen es tagelang mit Paketen und beladenen Kleiderbügeln aushalten, die er nicht entgegennehmen konnte. „Ich war es einfach leid. Diese ewigen Telefonate: ‚Haben Sie unseren Katalog bekommen? Ist da etwas für Sie drin? Wir haben da eine Sonderaktion…’ uns so weiter. Das ging mir auf die Nerven. Ich will doch nur bei denen Einkaufen und keine Telefonseelsorge.“ Das sprach mir aus der Seele.
Und außerdem brachte er mich auf die Idee. Erstens: Ich wechsle jetzt, da Sie diese Zeilen lesen, gerade den Telefonanbieter. Gehe zu einem, der nur einen Tarif hat für den ganzen Tag und nur zwei Tarifzonen. Der muss mir wenigstens keine Sonderangebote verkaufen, die ich nicht brauche. Zweitens: Ich mache eine schwarze Liste auf. Darüber steht: Unternehmen, die für den Rest meines Lebens nicht einen Cent von mir sehen. Eine Zeitung und eine Lotteriegesellschaft stehen schon drauf. Mal sehen, wie schnell der Block voll ist.

von Florian Ries

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