In Deutschland freilich brauchte es etwas länger, bis sich die Fernsehwerbung Bahn brach. Komischerweise traf es wieder den November. Diesmal den 3. im Jahr 1956. Also feiert die Fernsehwerbung allgemein den 76., in Deutschland immerhin den 50. Geburtstag.
Was war nicht alles in den 50ern möglich? Man liest, ein Werbespot für Kölnisch Wasser habe damals einen Kinderchor gezeigt, der ein bekanntes Weihnachtslied anstimmte. Drei Minuten lang. Dann sei noch ein Sprecher hinzu gekommen. Und keiner habe so richtig gewusst, wie man eigentlich Werbung macht.
Heute ist das freilich anders. Heute scheint kaum noch jemand zu wissen, wie man Fernsehen macht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich schaue gerne schon mal fern. Aber neulich habe ich versucht, einen Film anzusehen und konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, einen Schweizer Käse vor mir zu haben.
Nicht genug damit, dass die Werbepausen so niederdrückend lang waren, dass man sich hinterher nicht mehr erinnern konnte, wie der Film (oder besser: sein vor der Werbung abgefeiertes Fragment) aufgehört hatte. Zeigen die Sender deswegen die letzten zwei Minuten nach Ablauf der Werbung erneut? Welch ein Service! Dem Begriff"abendfüllender Spielfilm" ringen sie so jedenfalls ganz neue Bedeutungen ab.
Hinzu kommen die kleinen Bauchbinden und Störer, die einem den Spaß so richtig vermiesen. Während der Film schon läuft, rennen unten links, oben rechts die Ankündigungen für den nächsten. Oder für die Schmonzette oder Star-Show vom Folgetag. Das killt jeden Spannungsbogen und tötet jeden Humor im Film.
Ehrlich? Ich kann es nicht mehr sehen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür ist mir die Zeit nicht nur eigentlich zu schade. Deswegen wird jetzt alles, was interessant ist, aufgenommen. Dann wird bei Bedarf vorgespult. Man braucht noch nicht mal einen Festplattenrekorder dafür. Und gegen die Bauchbinden fällt mir auch noch was ein. Ich schwöre ...
Florian Ries
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