Oder etwa nicht? Eigentlich ist das doch wie eine Jobgarantie. Denn je mehr Menschen in Deutschland über Downloadraten jenseits von Gut und Böse verfügen, desto mehr Spamvertising kann man schalten. Nicht, dass wir das erträgliche Maß nicht schon überschritten hätten, aber einer geht ja immer noch, oder?
Was denn, Spamvertising kennen Sie noch nicht? Also: Früher das bedeutet in DSL-Geschwindigkeit noch vor wenigen Jahren hat man mit dem Begriff (zusammengesetzt aus Spam und Advertising) vor allem solche Pop-ups bezeichnet, die sich ungefragt öffneten und auf Schmuddelseiten verlinkten. Wenn man nicht das winzigkleine Kreuzchen oben rechts zum Schließen genau in die Mitte traf, trat man ebenso schnell wie unfreiwillig zum Online-Poker an oder besuchte ungewollt ein virtuelles Casino. Oder man erhielt unzweideutig unmoralische Angebote. Manchmal auch alles gleichzeitig.
Damals hat man sich noch darüber geärgert, weil die Dinger lästig waren. Bis sich über eine Analogleitung ein Fenster aufbaute das konnte dauern. Selbst mit ISDN und Kanalbündelung war das Surfen alles andere als schnell. Bestenfalls schnell kein Spaß mehr. Denn auf einmal entdeckten die Schmuddler Flash-Filmchen und viele andere visuell anziehende Spielereien und die brauchten gleich nochmal so lang zum Laden.
So betrachtet, könnte man Spamvertising sogar als den eigentlichen Motor der Internetbranche betrachten. Weil sich bald auch seriöse Unternehmen schöner Pop-ups bedienten, die sich erst nach vollendeter Ladung wegklicken lassen, und weil sie dabei nicht auf alle Segnungen der Technik - von Animation über Ton bis was weiß ich nicht alles verzichten wollten, wurde Surfen über Leitungen mit weniger als 1 MB im Download ein echtes Gräuel.
Jeden fünften am Bildschirm kratzt das jetzt also nicht mehr. Er wartet eine Sekunde und klickt dann sofort die Werbung weg. So weit, so gut. Der Rest muss halt warten. Und wird irgendwann vermutlich auch umsteigen. Denn mal ehrlich: 15,6 Millionen das ist doch noch steigerungsfähig! Vielleicht schalte ich einfach noch ein paar Spamvertisings. Wenns dem Bruttosozialprodukt hilft, ist doch alles erlaubt, oder?
Florian Ries
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