Böse Zungen könnten behaupten: Müssen sie ja auch nicht mehr. Denn die Eltern der Kleinkinder sind selbst schon mit all den Behauptungen aufgewachsen und wissen es gar nicht mehr besser: Dass die Schokoladenschnitte eigentlich das bessere Pausenbrot ist. Dass man gesunde Vitamine im zum Lutschbonbon verdickten Glukosesirup naschen kann. Dass "Cerealien" umhüllt von Schokocreme und Milchpampe besser sind, als jedes Vollkornbrot.
Nein, dem Dauerfeuer der Verdummung waren nur die gewachsen, um die es sowieso besser bestellt ist. So kommt eine aktuelle Studie zu dem Schluss, dass vor allem die Kinder aus Haushalten mit geringerem Bildungsniveau zu Übergewicht neigen und schon bei der Einschulung übelste Unbeweglichkeit zeigen. Fakt ist: Die große Mehrzahl der Menschen greift inzwischen so unkritisch zum vermeintlich gesunden Schokosnack, dass die Werbung für die Kleinkinder sich selbst überflüssig gemacht hat. Man ist fast versucht, zu sagen: leider.
Trotzdem gut, dass einer der Konzerne jetzt auch öffentlich davon abrückt. Denn es geht ja auch um Zeichen und Symbole. Hoffentlich tun es die anderen Hersteller bald ebenso. Und für den Rest haben wir ja noch die EU. Die verordnet nämlich, dass nicht mehr mit Versprechen geworben werden darf, die das "Lebensmittel" Schokolade, Bonbon, Knusperriegel etc. nicht erfüllt. Damit sind endlich all die Argumente obsolet, die jeden halbwegs vernünftigen Konsumenten seit Jahren auf die Palme bringen.
Da macht sich fast Optimismus breit. Wenn wir es jetzt noch schaffen, den Menschen beizubringen, dass wir Sauerstoff atmen statt Kohlendioxid, besteht noch Hoffnung für das menschliche Geschlecht. Bloß: Wunder gibts zwar immer wieder. Selten sind sie trotzdem.
Florian Ries
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