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Dienstag, 7. Februar 2012

Politik im Fernsehen: Tierisch was los - von Florian Ries

PR und Politik, das ist wie Pech und Schwefel. Nicht umsonst hat die heutige Rede- und Überzeugungskunst ihre Wurzeln dort, wo unsere Demokratie herrührt. Auch, wenn den alten Griechen Großflächenwerbung und 30-Sekünder höchst fremd waren: Marktschreierisches Anpreisen der eigenen Vorzüge war hier schon gang und gäbe. Ob die Griechen sich von schönen Worten haben einlullen lassen, ob sie nach Vertrauen gingen oder einfach der Nase Redners – wir wissen es nicht.

Fest steht, dass sich in der gegenwärtigen Mediendemokratie Themen sowieso nicht abschließend diskutieren lassen. Die Sitzung eines Untersuchungsausschusses live im Fernsehen ... das hält nur das verhandlungstisch- und hinterzimmererprobte Gesäß eines Vollblutpolitikers aus. Normalbürger schlafen ein. Politische Berater wissen das. Um den Bürger bei der Stange zu halten, muss Unterhaltung her. Und die benötigt regelmäßig wirkungsvolle Pointen. Solche Pointen zu erfinden und vor allem zu visualisieren, das ist die conditio sine qua non.

Doch jeder zweitklassige Stand-up-Comedian weiß: Bei einem Gag kommt es auf den richtigen Zeitpunkt an. Kommt die Pointe zu früh oder zu spät, gibt’s keinen Applaus. Wen wundert es denn noch, dass die SPD ausgerechnet kurz vor den Landtagswahlen in NRW ihre linke Seele wiederentdeckt und über die Auswüchse des Heuschrecken-Kapitalismus debattieren will?

Oder nehmen wir den Parteitag der FDP, natürlich in Köln, weil auch die Freien gewählt werden wollen. Von der großen 18 mag hier keiner mehr träumen, die schreibt man sich nicht mehr auf die Fahnen, geschweige denn die Schuhsohlen. Nach dem Hochmut kommt der Fall, das hat man offensichtlich gelernt. Also setzt man heute auf knallharten Realismus und bedient sich der Worte des höchsten Mannes im Staate. Doch der Ausspruch des Bundespräsidenten (der, dass Arbeit Vorfahrt hat), geriert bei der FDP zum reinen Kampagnenstoff. Mal ehrlich: Diesen Satz (den mit der Vorfahrt) auf ein Vorfahrtschild zu schreiben, das ist an Originalität kaum zu toppen, oder?

Aber eigentlich ist das alles auch egal, denn für Politik interessiert sich doch sowieso keiner mehr, lieber schaut der Deutsche Tiersendungen: Am Vatertag zählte das Internationale Zirkusfestival von Monte Carlo 4,52 Millionen Zuschauer, satte 14,7 Prozent. Den großen Haustiertest wollten 3,69 Millionen oder 13,1 Prozent sehen. Selbst Star Wars musste hinter den putzigen kleinen Gesellen zurück bleiben.

Vielleicht ist das die neue Strategie: Politiker, die sich mit Hunden und Katzen fotografieren lassen? Ein Besuch im Tierheim statt in der Produktion? Die SPD ist schon auf dem richtigen Weg: Im Märkischen schaltete Brandenburgs Umweltminister – gemeinsam mit Heinz Sielmann – gerade „Adler TV“ frei. Im Internet kann man jetzt rund um die Uhr das Nest eines Fischadlers beobachten.

Einen entsprechenden Stream aus dem Storchennest gibt es schon lange. Garantiert politik- und diskussionsfrei. Ein Stückchen heile Welt eben. Obwohl: Da lässt sich sicher auch ein kleines Vorfahrtsschild aufstellen, so zwischen Stroh und Eiern? Arbeit hat Vorfahrt? Oder gibt’s das schon? Da muss ich doch direkt mal online gehen.

von Florian Ries

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