Da war eine kompetente Ausarbeitung des Fallbeispiels ohnehin zu erwarten. Das Spannende an diesem Buch ist allerdings, dass erstmals ein Fallbeispiel sowohl aus Sicht der Kommunikations- als auch der Unternehmensberater dargestellt wird. Der Band macht plausibel, dass beide Beratungshäuser, Deekeling und zeb/, aufs Engste zusammengearbeitet haben. Und genau das ist sicher nicht die Regel. Hinzu kommt, dass auch die beiden Vorstandsvorsitzenden sich ausführlich zum Fusionsprozess äußern. Und schließlich dreht es sich um eine der heißesten Fusionsbranchen überhaupt: den Sparkassensektor.
Der Fall, das ist die Fusion der Stadtsparkasse und Kreissparkasse Hannover zur neuen Sparkasse Hannover zum 1. Januar 2003. Mit dem Sparkassen-Zusammenschluss seit 14 Jahren entstand das fünftgrößte öffentlich-rechtliche Kreditinstitut Deutschlands, eine Regionalbank von europäischem Format mit einer Bilanzsumme von 15 Milliarden Euro und rund 3.400 Mitarbeitern, wie Dieter Kipp und Klaus Lintemeier in ihrer Eröffnung schreiben. Auf den folgenden 140 Seiten werden alle Seiten der Fusion beleuchtet. Dieter Kipp von zeb/ stellt die Seite des strategischen Managements dar, Kirsten Jantke, Tobias Korenke und Klaus Lintemeier von Deekeling skizzieren die kommunikative Herausforderung. Die beiden Vorstände, Bernhard Schäfer und Harald Quensen, diskutieren die klar definierten Rollen der Vorstände im Fusionsprozess und die Auswahl des Managements.
Im Mittelpunkt des Bandes steht dann das 40-seitige, reich illustrierte Fusionsbeispiel mit allen Phasen, Veranstaltungen, symbolischen Handlungen und Tools. Marketingleiter Dieter Casper schließt sich mit dem neuen Corporate Design an. Ein wenig kurios aus das Ausblick genannte Schlusskapitel. Erstens: Hier interviewt der Sparkassen-Pressesprecher Stefan Becker (!) die Berater Egbert Deekeling und Patrick Tegeder von zeb/. Zweitens: Probleme der Post-Fusionsphase, wie etwa eine sich ausbreitende Lustlosigkeit der Mitarbeiter, werden mit großer Offenheit diskutiert. Und daran wir deutlich: Über den Erfolg der Fusion entscheidet nicht nur die Merger-Pahse selber, sondern besonders die Phase des Post-Mergers. Der Zeithorizont von der Ankündigung der Fusion bis zum Abschluss der Post-Merger-Phase wird von den Experten auf 5 Jahre angesetzt.
Selbst die Krise, die ein Jahr nach der Fusion zum Jahresanfang 2004 am Beispiel eines Kreditfalles in der Lokalpresse diskutiert wurde und die Zweifel am Integrationsprozess nährte, wird hier berücksichtigt und verleiht dem Band besondere Authentizität. Als Epilog kann dazu erzählt werden, dass das Modell der unbefristeten Doppelspitze mittlerweile beendet ist. Die beiden Vorstandsvorsitzenden haben mittlerweile ihren gemeinsamen (!) Rückritt angekündigt. Fragt man die Berater, so war auch das schon vorher geplant. Aber eine solche nachgeholte Rechtfertigung bräuchte es eigentlich nicht; denn allein der gemeinsame Rücktritt beider Vorstände kann schon als Erfolg des Fusionsmanagements begriffen werden.
Damit beleibt als Kritikpunkt letztlich nur noch die kuriose Interviewkonstellation mit dem Pressesprecher als Interviewer zurück: Das hätte man sich schenken können! Die Berater rücken in ihrer leicht glorifizierten Expertenrolle etwas zu deutlich in den Mittelpunkt, der Band verliert damit an Glaubwürdigkeit und erlangt etwas der Hauch der Imagebroschüre.
Leider hat man sich offenbar dazu entschlossen, den Band nur in Kreisen der Sparkassenorganisation und der Landesbanken zirkulieren zu lassen, statt ihn in den freien Verkauf zu geben. Er erscheint im Eigenverlag der Berater und ist trotz ISBN-Nummer nicht über den Buchhandel zu beziehen. Eine Entscheidung, die man dringend überdenken sollte; denn öffentlicher als im öffentlich-rechtlichen Bereich kann es doch eigentlich nicht sein. Und wo es Interessenten gibt, gibt es für gewöhnlich auch ein Angebot. Wer den Band im fast neuen Zustand bei Amazon beziehen will, sollte sich allerdings beeilen. Es gibt ihn dort nur einmal. Mindestgebot: 10 Euro.
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