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Dienstag, 7. Februar 2012

Frierend vorm Fernseher - von Florian Ries

Eigentlich wollte ich ja diese Woche etwas über Paris Hilton schreiben – aber das muss jetzt warten. Ein anderes Thema ist gerade einfach zu augenfällig. Denn die Fernsehwerbung wirkt in diesem Winter so richtig deplatziert. Jedenfalls, um sich der Sprache der Meteorologen zu bedienen, "in weiten Teilen Deutschlands".

Tja, die kaum-mehr-abwendbare-Klimakatastrophe, die derzeit in aller Munde ist, hat auch ihre kuriosen Seiten. Wissen Sie noch, damals? Vor der Zeit der Privatsender? Als sich die Welt noch aufteilte in West und Ost, in "Dallas"- und "Denver"-Fans? Und später dann, erinnern Sie sich noch an Serien wie "Hotel"?

Froh darüber, überhaupt internationale Serien zu sehen zu bekommen, sah man wohlwollend darüber hinweg, dass die kontinentale Synchronisationsverschiebung dazu führte, dass man die Weihnachtsfolgen im Sommer sah und die Ferienfolgen – handgedreht unter brütender texanischer Sonne – zu einem Tässchen heißer Zitrone gegen Ende des Jahres serviert bekam.

Das war zwar alles einmal und ist heute nur noch für unverbesserlich Nostalgiker gut, aber derzeit feiert das damit verbundene Gefühl, in ein Zeitloch gefallen zu sein, seine Renaissance. Gestern: Die ersten Kollegen im Büro werden im T-Shirt gesichtet! Am Mittagstisch fragt man sich, wann es wohl Zeit wird, die Klimaanlage einzuschalten. Vielleicht ab 20 Grad? Winter hin oder her ...

Vom Eise befreit sind also Strom und Bäche. Genau genommen haben sie sogar lange kein Eis mehr gesehen. Bloß die Werbung, die zelebriert die kalte Jahreszeit. Da fahren Menschen Ski, da gibt es Schneeballschlachten und da hängen die Eiszapfen von der Berghütte. Es friert einen beim Zuschauen, wie man so in kurzen Hosen vor dem Fernseher sitzt.

Zugegebenermaßen: Wenn man in Bayern wohnt, dann ist alles anders. Aber ist es das nicht sowieso? Zumindest in Wildbad Kreuth scheint Schnee zu liegen, das habe ich in den Nachrichten gesehen. Vermutlich, weil in der CSU derzeit mal wieder Eiszeit herrscht. Doch jenseits des Weißwurstäquators, da machen sich die Wirte schon für eine frühe Biergartensaison bereit. Und bis dahin: Frieren wir doch einfach noch ein wenig vor dem Fernseher.

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