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Dienstag, 7. Februar 2012

Rappen macht nicht doof. Aber dick? - von Florian Ries

Nichts ist mehr, wie es war. Früher war Rap-Musik etwas für Unterprivilegierte aus den Ghettos der amerikanischen Großstädte. Ein Protest gegen die Vorherrschaft der Weißen und eine Solidaritätsbekundung mit den Hometown-Kumpels im Knast.

Heute ist daraus eine gigantische Unterhaltungsindustrie geworden – und damit eine Cashmaschine sondergleichen. Mit Gesellschaftskritik und Wut im Bauch hat das oft nur noch wenig zu tun. Hüben wie drüben: Die Jugend auf beiden Seiten des großen Teiches konsumiert den Rap inzwischen genauso wie die älteren Semester die Volksmusik: bloß nicht Nachdenken.

Doch jetzt steht die Rap-Musik endgültig an der Wegscheide zwischen einer glorreichen Vergangenheit und einer glanzlosen Zukunft. Denn eine große Fastfood-Kette verspricht sich Impulse fürs kränkelnde Image und unverbrauchte Kalorien im Kampf gegen den Erzrivalen. Und das geht so: Immer wenn ein Rapper im Radio ein spezielles Bulettenbrötchen besingt, ist das dem Unternehmen ein paar Cheeseburger Wert, hört man – in Cash selbstverständlich, denn was will man mit so vielen Cheeseburgern?

So soll der Burger ebenso cool werden, wie der Künstler, der die umstrittene Delikatesse unter konvulsivischen Zuckungen zwischen ein „F-Wort“ und ein „Sch-Wort“ nuschelt. Halt, stopp, Moment mal, stimmt ja gar nicht: Die Burger-Kette nimmt die bösen Jungs nämlich beim Wort und will nicht jeden Reim bezahlen. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Also doch keine F-Wörter, die Eltern wird’s freuen.

Schon klar: Der Rapper an sich hat schon lange keine Ahnung mehr, warum man in seiner Zunft keine Schnürsenkel trägt. Weshalb nicht gleich für Shakes und Kombimenüs Reime schmieden? Aber verkommt der Rap deshalb zum Trojanischen Pferd der Nahrungsmittelindustrie? Werden die Jugendlichen in Scharen in die Restaurants laufen, weil ihr vermeintlicher Held sich dort angeblich durch die Auslage frisst?

Wohl kaum. Die Jugend mag leicht zu beeindrucken sein, wenn es um Turnschuhe geht. Aber die Frage, welches Burger-Restaurant man wählt, ist eine Glaubensfrage. Nehmen Sie das Beispiel Cola: In den 80ern hat es Michael Jackson auch nicht geschafft, Pepsi dauerhaft cool zu machen. Es gibt nun mal Sachen, die sind stärker, als die stärkste Werbestrategie.

Liebe Rapper: Wenn Euch noch etwas an den Ursprüngen liegt, dann zeigt den Leuten, die Euch am liebsten „Vorsicht, heiße Luft, Verbrennungsgefahr!“ auf den Bauch drucken würden, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind, als Geld. Sonst landet Ihr wirklich bald im Musikantenstadl.

von Florian Ries

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