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Dienstag, 7. Februar 2012

Frohe Weihnachten... - von Thomas Langnickel-Stiegler

säuselte es heute Morgen aus meinem Radio. Eine große (nach Schließung einiger Filialen in den vergangenen Jahren nicht mehr ganz so große) Warenhauskette läutet einmal mehr das Weihnachtsgeschäft ein. Als hätte man nicht schon insgeheim darauf gewartet. Mal ehrlich: Kam Ihnen der in den vergangenen Wochen sukzessiv güldener werdende Dekorationsstil im Shopping-Center Ihres Vertrauens nicht auch schon irgendwie verdächtig vor? Die Schoko-Weihnachtsmänner gibt’s ja ohnehin schon seit September. Na dann, frohe Ostern.

Nun geht’s jedenfalls wieder los: die alljährliche Haupt-Konsumzeit. Unabhängig von Religion, Konfession und Tradition frönen wir dem scheinbar universellen Ethos des Weihnachtseinkaufs. Wo Innenstädte sonst veröden, da drängelt man sich nun durch prall gefüllte Einkaufspassagen. Und wer sich sonst über die baulich bedingte Verödung der Innenstädte echauffiert, den ertappt man plötzlich selbst beim kollektiven Drängeln in City-Center, Einkaufs-Galerie oder Stadt-Arkaden.
Alles in Vorbereitung auf das große Fest. Endlich Zeit für die Lieben und für zwischenmenschliche Wärme. Und für Geschenke natürlich. Und wer nix geschenkt bekommt, der oder die darf sich gerade zur dunklen Jahreszeit unser aller Mitleid gewiss sein. Und deshalb heißt’s dann auch alle Jahre wieder: Spenden was das Zeug hält.
Aber auch wenn uns dank propagiertem Aufschwung und so der Euro ja momentan tendenziell wieder etwas lockerer sitzt: Selbst der willigste Spender muss doch angesichts des riesigen Angebots an Spendentöpfen und Good-Will-Aktionen den Überblick verlieren. Wenn man den Leuten ans Geld will, muss man sich also wohl oder übel was einfallen lassen.
Klar, früher war das noch ganz einfach: Wer nicht freiwillig zum Spenden auf die Straße geht, dem schicken wir im neuen Jahr eben die Sternsinger auf den Hals. In Zeiten von "Web 2.0" ist allerdings mehr gefragt als die Nachbarskinder mit der Spendenbüchse rumzuschicken. Denn gerade die Zielgruppe der "neuen" (wohl situierten) Alten sitzt heutzutage dank steigender Internet-Affinität auch schon mal gern vorm Rechner, anstatt den frechen Blagen die Tür zu öffnen – denkste!
Konsequenterweise findet sich denn auch im Internet inzwischen das volle Programm an Spendenmöglichkeiten: elektronische Spendendosen, "Spenden und Gewinnen"-Aktionen und Spendenassistenten mit multiplen Wahlmöglichkeiten. Die Online-Kollekte boomt.
Wirklich kreativ ist das nicht, zugegeben. Dass es auch anders geht, zeigt eine Aktion der Blogger-Gemeinde. Da verfassen qua Blogging routinierte Schreiberlinge unentgeldlich Weihnachtsgeschichten für Groß und Klein. Die gesammelten Werke gibt’s dann zum kostenpflichtigen Download – der Erlös soll einem guten Zweck dienen. "Charity-Bloggen" nennt man das.
Die Literarizität des Endprodukts bleibt sicher abzuwarten, gut ist die Idee aber allemal. Und wer dann eh schon online ist, könnte doch auch im gleichen Zug noch seine Weihnachtseinkäufe erledigen. Zwecks Entlastung der Einkaufsmetropolen. So hätten dann wirklich alle was davon.

Thomas Langnickel-Stiegler

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