Aufdecken, Abdecken, Zudecken, Verdecken - von Michael Wengenroth
Oder: wie die PR zur Kreativität kam
Kürzlich erhielt ich einen Anruf aus Berlin. Das ist hier in der südwestfälischen Provinz ohnehin schon eine Meldung wert. Jedoch von Anfang an: etwa vor ein bis zwei Wochen also läutete mein Telefon und eine Dame, deren Agentur die Begriffe PR und Kreativität verbindet, kündigte eine interessante Aktion an und erheischte meine postalische Adresse. Sie bekam sie, wollte aber keine weiteren Informationen preisgeben. Vielleicht hält sie mich für einen potenziellen Kunden, dachte ich mir. Ergo wartete ich gespannt. Zwar kam die angekündigte Postkarte deutlich später als avisiert, aber als sie denn nun ankam, hat sie tatsächlich mein Interesse geweckt. Vor allem deswegen, weil ich nicht die geringste Vorstellung hatte, was das Ganze eigentlich sollte. Ein genauerer Blick wäre also angemessen. Aha, es geht ums Decken. Agrar-PR, denke ich mir. Aber man liest ja, gerade in dieser Branche, nicht immer so genau und da keine Paarhufer erwähnt wurden, habe ich mir die Postkarte noch einmal mit der notwendigen Sorgfalt angesehen. Siehe da: Ums Aufdecken handelt es sich. Investigative PR was ganz Neues, Ich bin begeistert und schaue mir die Internet-Seite an, deren Adresse auf der Postkarte abgedruckt ist. Zwar weigern sich sowohl Firefox als auch Netscape, die Seite auch nur anzuzeigen (aber wer arbeitet schon auf Macintosh), aber Microsoft machts wie immer möglich.
Es wird tatsächlich etwas aufgedeckt. Aber was? Private Karten. Persönliche Karten. Irgendetwas mit Werbung. Tarot gar, und ich erfahre etwas über mein künftiges Schicksal? Nein, wohl auch nicht. Aber wenn ich irgendetwas aufdecke, kann ich ums Haus laufen (so steht es dort). Auch nicht schlecht. Ich habe ein verhältnismäßig großes Haus und trage einen ebenso großem Bauch vor mir her. Aber darum geht es wohl auch nicht. Schade.
Nun bin ich vielleicht nicht der Klügsten einer, aber irgendwie wurmt es mich doch ein wenig, wenn ich so gar nicht verstehe, was man mir mitteilen möchte. Gehöre ich möglicher Weise einfach nicht zur Zielgruppe, oder ist vielleicht die ganze Kampagne ein wenig, wie die Golfer sagen, beyond par. Überzeugen Sie sich selbst: www.duettos.com
Michael Wengenroth
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