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Dienstag, 7. Februar 2012

Kreativ sein – aber bloß keinem wehtun. - von Florian Ries

Ein deutscher Automobilhersteller hat in Amerika einen Werbespot zurückgezogen. Darin konnte ein vermeintlicher Selbstmörder in letzter Sekunde gestoppt werden: Dank der Verheißung neuer Modelle, die endlich erhältlich seien.

Nun lässt sich über Geschmack trefflich streiten. Oder eben auch nicht. Wie auch immer. In einem Kinofilm hätten wir über den Gag vielleicht sogar gelacht, jedenfalls wir im "alten Europa". Aber mit so etwas Werbung machen, das kommt in Zeiten der überbordenden Political Correctness eben nicht so gut an.
Zumindest findet sich meist irgendeine Organisation, und sei sie noch so klein, die mit den Mitteln der eigenen PR gegen vermeintlich über die Strenge schlagende Werbung zu Felde zieht. Damit (welch wunderbarer und unkalkulierter Nebeneffekt) bringt sie sich auch selbst mal wieder in die Schlagzeilen – völlig uneigennützig, versteht sich. Die Mitglieder können also beruhigt ihre Monatsbeiträge weiter überweisen, es passiert ja was.
Kreativ sein, aber bloß niemandem dabei wehtun, weil er sonst schreit? Wird das immer mehr die Devise der Werber? Hoffentlich nicht. Zumal: Wo allzu lautstarke Kritik vernommen wird, da ist die Doppelmoral oft nicht weit. Gerade bei NGOs gibt es die Tendenz, es mit der eigenen Werbung nicht zu genau zu nehmen. Ist ja für den guten Zweck, nicht für den schnöden Mammon. Da muss der Holzhammer schon mal erlaubt sein.
Man erinnere sich nur mal an die abgrundtief schauerliche und selten geschmacklose Werbung der Tierschützer von Peta, die vor wenigen Jahren Holocaust und Massentierhaltung gegenüberstellten. Gerade gibt es eine neue Kampagne unter dem Motto "Trage deine eigene Haut, nicht die von Tieren." Im Ansatz durchaus ehrenhaft.
Gleichzeitig aber schlachtet man den Tod von Model Anna Nicole Smith, die mal zwei Motive mit den Tierschützern machte, im Newsbereich aus. "Die Tiere haben eine wahre Heldin verloren und Peta eine gute Freundin."
War da noch was? Ach ja: … eine fünf Monate alte Tochter bleibt auch zurück. Die wird ihre Mutter vermutlich schmerzlicher vermissen als Tiere und Peta zusammen. Aber das steht da nicht. Ist anscheinend Nebensache. Oder eben doch: Ansichtssache? Geschmackssache? Das entscheidet wohl besser jeder für sich selbst.

Florian Ries

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