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Dienstag, 7. Februar 2012

Be rich! - von Florian Ries

So einfach diese Aufforderung ist, umso schwerer ist es ja bekanntlich, ihr nachzukommen. Wenn man nicht gerade im Lotto gewinnt. Oder mit dem goldenen Suppenlöffel im Mund geboren wird. In dem Falle natürlich – vorausgesetzt, man macht was aus seiner exponierten, gesellschaftlichen Stellung – kriegt man echt tolle Angebote.

Zum Beispiel das Angebot, für Prosecco aus der Dose zu werben. Was? So etwas gibt es? Das habe ich mich auch gefragt. Die Antwort lautet: Oh ja, es gibt eben alles auf dieser Welt. Hauptsache, die Verpackung stimmt. In diesem Falle handelt es sich zwar auch nur um Aluminium, darf sich aber "Designer Dose" nennen. Geschmacklich, so lässt man wissen, geht man gegenüber der Flaschenabfüllung keine Kompromisse ein.
In puncto Werbung nimmt man es natürlich nicht so genau. Denn, um jetzt wieder den Bogen zu kriegen, ein solches Produkt will natürlich vermarktet werden. Da braucht es Glamour pur, bietet sich die Dose doch an für den schnellen und exklusiven Genuss unterwegs, für die Party oder die Bekämpfung des Katers hinterher. Da muss Lebensfreude dargestellt werden. Wer könnte das besser darstellen, als eine Hotelerbin und Partykönigin, die auf jeder Hochzeit tanzt, sich in allen Situationen stets und regelmäßig durch eine besondere Interpretation des Wortes Geschmack hervortut und deren Peinlichkeitsempfinden in spezieller Weise ausgeprägt ist? Mit der lässt sich trefflich der Aufsteller für die Dosen dekorieren. Natürlich betont spärlich die Bekleidung auf dem Foto, muss ja was hermachen. Dann noch ein schöner Slogan dazu, Motto: Wenn Du hiervon trinkst, gehörst Du zum Jetset, dann hast Du’s geschafft.
Komisch bloß: Immer, wenn ich an dem Aufsteller vorbeigehe, ist er voll. Entweder legen die Leute in meinem Supermarkt um die Ecke immer wieder schnell Ware nach, oder die Edeldosen mit Glamour-Image liegen wie Blei in den Regalen – beziehungsweise im Dispenser. Da kann das Abziehbildchen von Ruhm und Reichtum einem noch so von der bunten Wellpappe entgegengrinsen: Es greift einfach niemand zu. Andererseits kaufe ich natürlich nicht in Beverly Hills ein oder irgendwo, wo man den Wert solcher Dinge eben besser zu schätzen weiß. Vermutlich steht das Produkt an Orten, an denen die Reichen und Schönen flanieren, hoch Kurs.
Interessant auch die Frage: Als die Luxusfee vor einigen Tagen von der Polizei aufgegriffen wurde, weil sie angeblich zu viel getrunken hatte und trotzdem am Steuer saß, da fiel ihr nichts besseres ein, als: Nach so einem stressigen Arbeitstag ohne Essen, da passte eben nur noch ein Margarita rein! Da habe ich mich wohl verhört? Wieso kein Prosecco? Empörung! Was soll das denn für ein Testimonial sein!
Aber eigentlich, eigentlich will ich das alles ja gar nicht wissen. Ich halte es dann doch lieber mit der mehr als zweitausend Jahre alten Weisheit, auch wenn sie ein wenig angestaubt klingt und nicht auf die Pappe passt: Selig, die arm sind. Oder, anders gesagt: Geld schützt nicht vor Armut im Geiste.

Florian Ries

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