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Dienstag, 7. Februar 2012

Verklebt und zugenäht

Seit einiger Zeit erfreut mich meine Tageszeitung mit einer Form der Werbung, die sie wohl kürzlich für sich entdeckt hat und – zu meinem Leidwesen – anscheinend mit großem Erfolg vermarktet. Die Erfindung lautet: Klebepunkt. Und sie hat im wahrsten Sinne des Wortes einen reißerischen Effekt.

Am liebsten platziert meine Tageszeitung diesen Klebepunkt auf der unteren Hälfte der Titelseite. Auf dem Klebepunkt befindet sich bislang meist eine Postkarte. Wenn sie da so quasi unbeteiligt als Wurmfortsatz über dem redaktionellen Teil prangt, erweckt sie ja auch am meisten Aufmerksamkeit und geht nicht unter, wie auf den folgenden Blättern.
Die erste lud mich zu einem Gewinnspiel ein, um eine Belgienreise zu gewinnen. Ihr Pech: Ich wollte eigentlich lesen, was darunter stand. Also ging ich wohl mit zu viel Eifer zur Sache. Mein Pech: Neben der Postkarte war die Zeitung das zweite Opfer. Eingerissen, verknittert, der Artikel entstellt bis zu Unkenntlichkeit.
Aber Gelegenheit zum Üben gibt es ja oft genug. Und nicht nur in Zeitungen, sondern auch in Magazinen. Inzwischen schaffe ich es, die Postkarten ohne größere Beschädigungen des redaktionellen Teils zu entfernen. Weil sie mich schlicht ärgern, wandern sie unbetrachtet in den Papierkorb und ich wende mich wieder der Zeitung zu.
Sollte ich mal den Verlag anschreiben? Ich meine, wieso verkauft man ein Produkt, wenn der Kunde es kaputt machen will, um es in der ursprünglich gedachten Form zu nutzen? Klar, das liebe Geld der Anzeigekunden winkt. Aber trotzdem: Eine Zeitung ist doch zuallererst zum Lesen dar! Oder habe ich irgendwas verpasst?
Mein Vorschlag wäre, solche Dreingaben und Postkarten grundsätzlich nur auf eine eigene Anzeige zu kleben. In Magazinen klappt das schon. Man bucht die ganze Seite und klebt seinen Kram darauf. Wenn etwas reißt, ist allerdings auch der Artikel auf der Rückseite beschädigt. Aber bei so viel gutem Willen wollen wir ja nicht kleinlich sein.
Liebe Verlage dieser Welt! Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Sie Ihre Kunden beraten müssen! Denken Sie bitte auch an die Leser. Die wollen doch bekanntlich Fakten Fakten Fakten. Und nicht Karten Karten Karten. Und erst recht keinen Ärger Ärger Ärger.
In diesem Sinne: Machen Sie's besser!

Florian Ries

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