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Mittwoch, 8. Februar 2012

Post von Herrn Vesper

Ein Kommentar von Michael Wengenroth

Gestern erhielt ich einen Brief. Nicht irgendeinen Brief, sondern wahrhaftig und wirklich ein (fast) persönliches Schreiben von Herrn Sebastian Vesper, dem Chefredakteur des PRReports. Man ist ja natürlich eitel, und so fühlte ich mich nicht nur durch den Absender gebauchpinselt, sondern auch durch die Feststellung, man habe diese Mitteilung vor allem an mich als „Macher in der PR-Wirtschaft“ gesandt (oder gesendet?).

Wie auch immer: In diesem Schreiben bieten Herr Vesper und Herr Lindner (der Anzeigenverkaufsleiter – das hätte mich eigentlich schon ein wenig stutzig machen sollen) eine kostenlose Mitgliedschaft mit persönlichem Account für die neue Online-Plattform des PRReport an. Mit persönlichem Zugangscode und allem Drum und Dran. Toll, dachte ich mir: noch ein Online-Portal der PR. Das war dringend nötig, aber wie mein Lateinlehrer immer sagte: Variatio delectat, und so habe ich mich stante pede registriert.

Kurzer Zwischentest: Welches Wort macht den aufmerksamen Leser stutzig? Stimmt, das Wort „kostenlos“. Ich hätte mich an die eine oder andere Seite im Internet erinnern sollen, die mir eine breite Palette kostenfreier Services offerierte, mir dann aber bei allem, was ich wirklich brauchte, eine „Premium“-Mitgliedschaft antrug. Aber doch ganz bestimmt nicht der in jeder Hinsicht seriöse PRReport! Undenkbar!

Ich habe mich also angemeldet und mir die Sache angesehen. Schön aufgemacht, übersichtlich mit einer ganzen Reihe angeteaserter Beiträge. Sieht ein bisschen aus wie bei uns, dachte ich mir, aber warum nicht. Klicke also auf „lesen Sie hier weiter“ – und was glauben Sie, was dann passierte? Erraten: um weiter zu lesen trug man mir die – natürlich nicht mehr kostenfreie – Premium-Mitgliedschaft an – inklusive Abo der Printausgabe. Und dies bei jedem einzelnen Artikel. Und für alle anderen Services ebenfalls. Hätte ich bloß in meiner ersten Begeisterung den Brief ganz bis zu Ende gelesen, dann wäre mir ganz unten ein kleiner und typografisch abgesetzter Satz aufgefallen. Darin teilt man mir mit, welche Vorteile eben diese Premium-Mitgliedschaft „bringen würde“. Der Konjunktiv ist falsch, da faktisch nur die bezahlte Mitgliedschaft etwas nützt.

Umsonst ist der Tod, und auch die Medien müssen leben. Und Redaktionen kosten auch Geld, unbestritten. Was mich stört, ist, dass hier ein gutes Angebot auf eine Art und Weise beworben wird, die… aber ich befürchte, Haymarket kann sich bessere Anwälte leisten als ich. Wenn Sie, lieber Herr Vesper, schreiben, dass mit dem neuen Portal „die Stärken der bisherigen Offline-Produkte … in die Online-Welt hinein“ getragen werden, sollten Sie auch in der Bewerbung eben dieser Produkte auf die Tatsache hinweisen, dass beide – off- und online – eben nicht umsonst zu haben sind. Nicht mehr und nicht weniger.

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