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Mittwoch, 8. Februar 2012

Scharfe Kritik an Kommunikationspolitik von Vattenfall

Die Wogen um den Störfall im Kernkraftwerk Krümmel südöstlich von Hamburg glätten sich nur langsam. Nun sorgt ein Brief der Mitbewerber EON, RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) für Aufsehen, in dem hochrangige Funktionäre die Kommunikationspolitik des Krümmel-Betreibers Vattenfall scharf kritisieren.

"Wir sehen Vattenfall nach wie vor in der Pflicht, zu den Ereignissen und Vorfällen in Krümmel öffentlich Stellung zu beziehen", heißt es in dem Schreiben. Wie das Handelsblatt berichtet, habe man feststellen müssen, dass sich der schwedische Vattenfall-Konzern in dieser Frage zurückhalte und sich der Diskussion entziehe. Unterzeichnet wurde der Brief von EON-Energie-Chef Klaus-Dieter Maulbach, RWE-Vorstandsmitglied Gerd Jäger sowie Hans-Josef Zimmer, technischer Vorstand bei EnBW. Adressiert ist das Schreiben an den deutschen Vattenfall-Atomchef Ernst Michael Züfle.

Seit rund zwei Monaten liefert der Fall Krümmel Kernkraftgegnern Munition. Am 4. Juli dieses Jahres musste der Reaktor nach einem Kurzschluss in einem Generator vom Netz, obwohl Vattenfall die Anlage erst kurz zuvor nach zweijährigem Stillstand wieder hochgefahren hatte. Kritiker orten bei Vattenfall deshalb Mängel in der Sicherheitskultur. Für die gesamte Kernkraftbranche kommt die Diskussion zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Branchenvertreter hatten bei der Bevölkerung bis zum Fall Krümmel wachsende Akzeptanz für die Energiegewinnung mittels Atomkraft gewittert und auf eine Revision des schon 2002 von der rot-grünen Regierung unter Kanzler Schröder beschlossenen Atomausstiegs gehofft. Alle vier Kernkraftbetreiber wollen ihre Kraftwerke länger als geplant am Netz lassen.

Experten rechnen damit, dass dieser Wunsch auch in Erfüllung gehen wird. "Ich glaube nicht, dass die Ereignisse in Krümmel die Akzeptanz für Atomkraft nachhaltig verändert haben", so Peter Wirtz, Analyst bei der WestLB gegenüber pressetext. Imagekampagnen könne man sich sparen, durch das Schreiben an Vattenfall würden die deutschen Kernkraftkonzerne jedoch schon vorsorglich ihre Position für Verhandlungen zur Änderung oder Revision des Atomausstiegs nach der Wahl stärken. Anlass für die scharfe Kritik an Vattenfall war unter anderem ein Streit über eine vom deutschen Atomforum für September geplante Zeitungsbeilage, mit der man im Vorfeld der Bundestagswahl die Werbetrommel für Kernkraft rühren will. In einer solchen Beilage müssten "selbstverständlich die Ereignisse in Krümmel kommentiert werden."

Es sei unverständlich, dass dies bislang nicht geschehen sei, kritisieren die Unterzeichner des Schreibens. Zwar hat Vattenfall mittlerweile reagiert und ein Interview mit Züfle für die Beilage erarbeitet, dies reicht den drei Konkurrenten jedoch nicht. Er sei nicht prominent genug - es müsse entweder Konzernchef Lars Josefsson oder zumindest Deutschland-Chef Tuoma Hatakka Stellung beziehen. Auch Analysten sehen Schwächen in Vattenfalls Kommunikationspolitik - diese sei in der Vergangenheit auch in Schweden bereits negativ aufgefallen und "schon fast grenzwertig" , sagt Wirtz.

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