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Dienstag, 7. September 2010

Impflücke: "Energieversorgung im Pandemiefall nicht gesichert"

News-aktuell-Gespräch mit Peter Höbel, Experte für Krisenkommunikation

Alle seriösen Einrichtungen von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über das Robert-Koch-Institut (RKI) bis zum Paul-Ehrlich-Institut bereiten sich auf eine kommende Grippewelle vor. Der Pressedienstleister News aktuell hat den Experten für Krisenkommunikation Peter Höbel befragt, wie Unternehmen mit der Krise umgehen sollten.

Frage: Sind deutsche Betriebe auf die Herausforderung einer drohenden Pandemie gut vorbereitet?

Peter Höbel: Erfreulich viele Unternehmen und Organisationen zeigen sich verantwortungsbewusst und haben fertige Pandemiepläne in der Schublade. Da sowohl die Zahl der Erkrankungen als auch die Krankheitsverläufe derzeit noch sehr moderat sind, verhalten sich aber trotzdem erschreckend viele Entscheidungsträger aus falsch verstandenem Optimismus noch zu zögerlich.

Frage: Ist es denn in Zeiten der Wirtschaftskrise sinnvoll, Zeit und Geld in ein womöglich gar nicht eintretendes Ereignis zu investieren?

Höbel: Selbst wenn es nicht zum Äußersten, also zu Todesfällen in der Belegschaft kommen sollte  -  eine Störung bis hin zum Stillstand des Geschäftsbetriebs wegen massenhafter Erkrankungen ist schlimm genug. Unabhängig von der Fürsorgepflicht für die eigenen Mitarbeiter und der Verantwortung für Kunden und Geschäftspartner sollte schon aus wirtschaftlichen Gründen für einen möglichst unterbrechungsfreien Betrieb geplant werden. Wir sprechen hier von "Business Continuity".

Frage: Welche Maßnahmen müssen Kommunikatoren dabei ergreifen?

Höbel: Mindestens so wichtig wie Prozessoptimierung und organisatorische Maßnahmen sind interne und externe Botschaften, Sensibilisierung und die Kommunikation von Verhaltensweisen. Das geht Hand in Hand mit technischen Vorbereitungen um etwa durch die Arbeit in Heimarbeitsplätzen Ansteckung zu vermeiden oder schnelle Informationen in Intranet und Internet bereit zu stellen.

Frage: An welchen Stellen klemmt des derzeit noch?

Höbel: Die Pharmaunternehmen haben in Rekordzeit wirksame und sichere Impfstoffe entwickelt, aber die vorgesehene Verteilung bereitet mir Sorgen. Die mit heißer Nadel gestrickte Impfverordnung der Bundesregierung hat zwar in letzter Minute noch die Feuerwehren in den Kreis der bevorzugt zu Impfenden aufgenommen. Die sogenannten "kritischen Infrastrukturen" in der ersten Impfwelle leer ausgehen zu lassen ist jedoch eine Achillesferse.

Frage: Was bedeutet das konkret?

Höbel:
Zu den wichtigsten kritischen Infrastrukturen gehören Energieversorgung und Telekommunikation. Wenn die Bedienmannschaften in Kraftwerken ausfallen, ist die Energieversorgung im Pandemiefall nicht mehr gesichert. Im Extremfall würde das gesamte öffentliche Leben zusammenberechen, zumindest aber könnten die meisten Pandemiepläne platzen. Hier muss die Regierung dringend nachbessern.

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