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Mittwoch, 8. Februar 2012

Krise: Redakteure haben immer weniger Zeit für Recherchen

Ergebnisse des Medien-Trendmonitors veröffentlicht

Die Ergebnisse des neuesten Medien-Trendmonitors lassen aufhorchen. Für die Studie wurden rund 2.100 Journalisten aus Deutschland zu aktuellen Entwicklungen in der Medienbranche befragt. War in den Umfragen der letzten Jahre vor allem der Trend ins Internet ein Hauptthema, beschäftigt sich der Trendmonitor dieses Jahr insbesondere mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die schreibende Zunft.

75 Prozent der befragten Journalisten aus den verschiedensten Bereichen gaben an, dass sich durch die Wirtschaftskrise ihr Arbeitsdruck erhöht habe. Dies hat auch Auswirkungen auf die Qualität der Berichterstattung. 44 Prozent der Befragten erklärten, dass sie durch die Krise weniger Zeit für eigene Recherche hätten und dadurch vermehrt auf PR- und Pressetexte zurückgreifen müssen.

"Man kann sagen, dass Redaktionen kaputt gespart werden. Das war auch vor der Krise schon so, mit dem Hintergrund schrumpfender Werbeeinnahmen verstärkt sich dieser Effekt jetzt aber. Manche Redaktionen können den Betrieb nur mehr mit Mühe aufrecht erhalten", sagt Hendrik Zörner, Sprecher des deutschen Journalistenverbands im pressetext-Gespräch.

Unter dem Druck, der derzeit auf den Journalisten lastet, leidet nicht zuletzt auch das journalistische Selbstverständnis. Nur knapp 16 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht vorstellen zu können, "die Seiten zu wechseln", also in der PR-Branche Fuß zu fassen. Rund ein Viertel würde dies sogar gerne tun. 46 Prozent der Befragten gaben an, sie könnten sich einen Wechsel vorstellen.

"Das ist vielleicht auch ein wenig auf falsche Erwartungen zurückzuführen. Tatsächlich steht man beispielsweise in PR-Agenturen unter enormem Stress und Leistungsdruck bei vergleichsweise schlechter Bezahlung. In Unternehmenspressestellen ist ebenfalls ein gewisser Leistungsdruck gegeben, die Bezahlung aber dafür besser als im klassischen Journalismus. Geregelte Arbeitszeiten findet man am ehesten bei öffentlichen Pressestellen, wo die Bezahlung aber eher schlecht ist", so Zörner.

Neben den Auswirkungen der Wirtschaftskrise wurden die Teilnehmer der Umfrage auch zum Thema Online-Erlöspotenzial befragt. Fast die Hälfte der Befragten gab diesbezüglich an, dass sie nicht damit rechnen, dass sich die Internetangebote der Verlage in absehbarer Zeit selbst finanzieren können. Ein Drittel hält es immerhin für "eventuell möglich."

Weitere Ergebnisse des Medien-Trendmonitors:
  • Besonders freie Journalisten bangen angesichts der Wirtschaftskrise um ihren Job
  • Der klassische Journalismus hält den Social Communities Stand
  • Jeder zweite Journalist findet Twitter völlig uninteressant
  • Videos gewinnen für Online-Nachrichten an Bedeutung

Zusammenfassung der Ergebnisse als Blätterkatalog:
www.newsaktuell.de/katalog/2009/MedienTrendmonitorSummary082009/

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