„Wenn über einen Amoklauf berichtet wird, muss der Opferschutz im Vordergrund stehen. Medienberichte dürfen nicht zu weiteren Opfern führen“, postulierte Prof. Dr. Rüdiger Wulf, Kriminologe und Viktimologe von der Universität Tübingen.
Der Sprecher des Deutschen Presserats, Manfred Protze, wies hier auf das „natürliche und zugleich schwierige Spannungsverhältnis zwischen dem begründeten öffentlichen Interesse an einem Ereignis dieser Art auf der einen Seite und den Interessen der Angehörigen in ihrer nicht austauschbaren Rolle als authentische Quellen für eine verlässliche Berichterstattung auf der anderen Seite“ hin.
Bei der Berichterstattung über den Täter riet Professor Dr. Herbert Scheithauer, Entwicklungspsychologe und Wirkungsforscher von der Freien Universität Berlin, ebenfalls zu Zurückhaltung. Er sieht hier die Journalisten in einer großen Verantwortungsrolle. Eine gewisse Form der Berichterstattung könne mögliche Nachahmungstäter bestärken. „Nicht den Täter und seine Motive in den Vordergrund rücken, sondern die Tat, keine Klischees fördern, keine Bilder vom Täter zeigen und keine Namen nennen“, sagte Scheithauer.
Bei allem legitimen öffentlichen Interesse sollten sich Journalisten stets die Frage stellen, wie ihre Beiträge auf potenzielle Täter wirken könnten, meinten die Experten. Gäste und Plenumsmitglieder waren sich darüber einig, dass der Grat zwischen der Wahrnehmung des öffentlichen Auftrags der Medien und presseethischen Grenzverletzungen bei einem Ereignis wie in Winnenden schmal sei. Diese Situation erfordere hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit der professionellen Akteure auch für die ethische Dimension des konkreten Falls.
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