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Mittwoch, 8. Februar 2012

Wahlkampfreden sind oft zu allgemein und austauschbar

Guido Westerwelle, Angela Merkel und Oskar Lafontaine haben in den bisherigen vier Monaten Bundestagswahlkampf die besten Reden gehalten. Das ergibt zumindest eine Auswertung, die der Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) jetzt in Berlin vorgestellt hat.

Aber: "Zu oft sind politische Reden unkonkret, hinreichend allgemein, um allseits zustimmungsfähig zu sein – und damit austauschbar", so VRdS-Präsidentin Minita von Gagern. "Die Austauschbarkeit mancher Wahlkampfreden zeigt die gedankliche und programmatische Unschärfe, die oft dahinter steckt."

Seit Mai waren zunächst die Reden der Spitzenkandidaten auf den Wahlparteitagen bewertet worden (prportal.de berichtete), anschließend die Reden auf Kundgebungen und Veranstaltungen im so genannten Straßenwahlkampf. Insgesamt wurden rund 25 Reden nach Aufbau und Struktur der Rede, verständlicher Sprache, Stil (richtige Bilder, wenige Phrasen) und Argumentation (nachvollziehbar, logisch) sowie Körpersprache, Stimme, Glaubwürdigkeit und Inszenierung (Bühnenbild, Ablauf der Veranstaltung) bewertet.

Die meisten Punkte bei der Auswertung erhielt wie schon im Bundestagswahlkampf 2002 der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle. Seine Reden seien gut strukturiert und seine Sprache klar und einprägsam. "Ihn zeichnen originelle Bilder und nachvollziehbare Argumentationen aus", erklärt Dr. Vazrik Bazil, Mitglied des VRdS-Vorstands, der die Auswertung der Wahlkampf-Reden leitet. Bei Themen rund um Soziales und Gerechtigkeit wirke er allerdings zu glatt und verliere schnell an Glaubwürdigkeit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nach Beobachtung der Redenschreiber einen neuen Rede-Stil angeeignet, der von Erzählungen, privaten Geschichten und Zahlen in gut dosierten Mengen geprägt ist. "Ihre Reden verkörpern sehr gut den Wahlkampfstil einer Amtsinhaberin, die einnehmend und nicht konfrontativ ist", so Bazil. Bei Oskar Lafontaine kamen im Vergleich zur Rede auf dem Wahlparteitag bei den Wahlkundgebungen seine Stärken zum Vorschein. "Kämpferisch bringt er verständlich und zugespitzt seine Meinungen auf den Punkt. Es gelingt ihm, einzelne Aspekte in größere Zusammenhänge einzubetten", so Bazil. Bei seinen Reden lauere aber stets die Gefahr von Demagogie.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier attestieren die Redenschreiber, dass er die thematische Auseinandersetzung sucht, aber wenig strukturiert und zum Teil floskelhaft spricht. Dabei wirke er dennoch oft kompetent. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kann laut Auswertung rhetorisch scharf argumentieren und polarisieren. Seiner Parteikollegin und Mit-Kandidatin Renate Künast bescheinigen die Redenschreiber, dass sie im Straßenwahlkampf "viel besser als auf ihrem Wahlparteitag" war. Insbesondere lege sie bei ihren Reden "pädagogischen Eifer" an den Tag.

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