Klar, am besten wäre es, wenn man den Presserat nicht bräuchte. Wenn er sich aus allem raushalten könnte. Aber im laufenden Jahr sind bereits mehr Beschwerden von Bürgern eingegangen, als im gesamten Jahr 2005. 28 öffentliche Rügen bislang, eine nicht öffentliche, so die Bilanz. In 2005 waren das lediglich 25.
Zwar stimmt auch, was der Presserat selbst sagt: Mehr Bürger wenden sich auch deswegen an das Kontrollgremium, weil der Rat inzwischen einfach bekannter geworden ist. Doch es ist nicht zu verkennen, dass der zunehmende Wettbewerbs- und Kostendruck, die stetige Konkurrenz mit Internet und dem Fernsehen auch bei manchen schwarzen Schafen im Printbereich dazu führt, die Grenzen zwischen möglichst objektiver Berichterstattung und Werbung allzu sehr zu verwischen.
Da gibt es redaktionell gestaltete Seiten, die den Hinweis "Anzeige" vermissen lassen, da gibt es allzu oberflächliches Product Placement in Homestories und Testimonials, die nebenbei untergebracht werden. Die gibt es Produkttests, die über das Niveau eines Marketingtextes (nichts gegen einen guten Marketing-Text aber bitte nicht in einem Testbericht!) hinauskommen. Die Frage ist nur: Muss das alles eigentlich sein?
Wer in die PR geht, der lernt frühzeitig, dass die beste Kooperation mit den Medien über eine professionelle Zusammenarbeit und die medientaugliche Aufbereitung der jeweiligen Inhalte möglich ist, über Kontaktpflege und proaktives Themenmanagement. Über eine leserorientierte Schreibe. Trickserei sollte man sich tunlichst sparen, sonst zählt man schnell zu eben jenen bereits erwähnten schwarzen Schafen der Branche, die in den allermeisten Redaktionen des Landes nicht gerne gesehen sind.
Mal abwarten, welche Zahlen der Presserat im kommenden Jahr veröffentlich und ob die Schleichwerbung in den Printmedien weiterhin zunimmt, so wie gerade konstatiert. Zu vermuten ist es zu hoffen nicht. Denn auf Dauer erweisen sich PR- und Werbung damit einen Bärendienst.
Florian Ries
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