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Dienstag, 7. Februar 2012

Locker vom Hocker - von Florian Ries

Umwerfendes hört man dieser Tage aus Hamburg. Die Sprecher und Moderatoren der Tagesschau und der Tagesthemen – also die Menschen, die man bislang nur vom Bauchnabel aufwärts kennt – verlesen uns die Nachrichten des Tages bald stehend. Durch die neue Körperhaltung sollen sie „präsenter“ wirken.

Eine neue Requisite wird ihnen das ermöglichen, so ist bereits verlautet worden: Und zwar in Form eines Spezialhockers, der den ollen Stuhl ersetzt, den schon Generationen von Moderatoren platt gesessen haben. Klar, dass man auf einem solchen Ding nicht mehr die nötige Stütze und damit Haltung bekommt, um so richtig „präsent“ zu wirken. Kritiker behaupten zwar, ein Mensch hätte entweder Präsenz, oder er hätte sie eben nicht – unabhängig davon, ob er hockt, sitzt oder steht. Aber ewig mäkelnde Schlechtmacher gibt’s ja immer.

Obwohl, Augenblick mal: Verwirrung! Stehend präsentieren. Soweit ist das ja klar. Aber auf einem Hocker? Wie soll das gehen? Seiltanzcrashkurs für alle? Die Nachrichten als Balanceakt mit Showeinlage?

Kann doch so nicht gemeint sein. Aber was ist das dann für ein mysteriöser Hocker, auf dem man nicht hockt, sondern steht? Etwa ein Stützstuhl, wie er in Supermärkten für Bügelprofis angeboten wird? Damit jetzt alles ohne Rückenschmerzen glatt geht? Dürfen wir uns zukünftig auf Nachrichten ohne Falten freuen? Und selbst wenn: Kann man so was denn allen Ernstes als ein „Stehen“ bezeichnen?

Die Anstalt gibt zu: Der Zuschauer soll eigentlich gar nichts von der Veränderung mitbekommen. Auch nicht, dass der gute alte Tisch vermutlich durch ein Stehpult ersetzt werde. Bloß, wenn wir es nicht mitbekommen sollen, wozu dann der ganze Jokus?

Vielleicht ist’s nur ein PR-Gag, ein Quoten förderndes Spiel, sonst nix. Eine Nation blickt gebannt in die Röhre und fragt sich in sisyphosscher Einfalt jeden Abend aufs Neue: Stehen sie schon, oder sitzen sie noch? Hinterher geht’s direkt in den ARD Chat, wo man sich mit Experten austauschen kann. Eine Talkshow aus Berlin nimmt sich sonntagabends des heißen Themas an und diskutiert mit Orthopäden, Verhaltenstherapeuten und am Katheder erfahrenen Politikern. Einschaltquoten wie zu „Stahlnetz“-Zeiten.

Stopp, ich lese gerade: Es wird nichts mit der Spannung. Dass die Kollegen Sprecher stehen, erkennen wir zuverlässig daran, dass sich gleichzeitig das Design der Sendung ändert. Schade. Wäre endlich mal eine interessante Mischung aus Tatort, Daily Soap und Newsformat gewesen. Ein echter USP für die Öffentlich Rechtlichen. Naja, vielleicht nächstes Mal.

von Florian Ries

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