Tageszeitungen haben 2,1 Prozent weniger Exemplare an den Mann respektive die Frau gebracht. Sonntagszeitungen 0,98 Prozent. Wochenzeitungen konnten immerhin um 0,61 Prozent zulegen. Was lernen wir daraus? Nur das eine, dass die Menschen sich schneller informieren wollen, News tagsüber im Internet oder auf dem Handy lesen und die Analyse und Retrospektive den Wochenendablegern und Magazinen überlassen? Die Argumente sind zwar nicht falsch, aber doch recht abgegriffen inzwischen.
Und sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade viele lokale Tageszeitungen ein massives Qualitätsproblem haben. Ist ja auch klar. Kein Schlusslektorat, dafür aber einen immer späteren Redaktionsschluss, um wie einst Don Quichotte gegen einen unbezwingbaren Dauerkonkurrenten zu kämpfen das geht nicht gut.
Die "Windmühlen" in diesem Bild, also die sich oft allzu sehr in ihrem Echtzeitwahn gefallenden Onlinemedien und Sendestationen, die kochen auch nur mit Wasser. Aber sie können wenigstens so tun, als hätten sie mehr zu bieten. Ein Beispiel: Versuchen Sie mal, den Nachrichtengehalt einer x-beliebigen Sondersendung im Fernsehen (aus aktuellem Anlass) zu extrahieren. Über das, was zwei Minuten vorher in den Nachrichten verlesen wurde ("Mehr darüber im Anschluss an diese Sendung"), geht es meistens nicht hinaus. Hauptsache, man erweckt die Illusion, live via Satellit dabei zu sein. Selbst Schaltprobleme und knackende Verbindungen nimmt man gerne in Kauf. Und dann aber schnell zurück zum Sport. Wenigsten weiß man hinterher, wie das Wetter in Timbuktu oder Buxtehude ist. Ist doch auch was wert, oder?
Zurück zu meiner Tageszeitung. Abgehackte Sätze, hanebüchene Grammatik, die Schreibfehler kaum noch zu zählen. Meldungen, die aus drei Quellen schlecht zusammengeschrieben sind. Das solls gewesen sein? Die Zeitungsverlage sind mitten drin im Prozess des Gesundschrumpfens. Eigentlich schrumpfen sie sich kränker und sind am Ende möglicherweise unfähig, auf qualitativ akzeptablem Niveau mit Fernsehen, Radio und Online mitzuhalten. Ich kenne viele Leute, die haben ihre Tageszeitung nur noch deswegen, weil sie hier lokale Informationen finden. Termine, Stadtteilnachrichten, Klatsch und Tratsch von nebenan.
Wenn man dann auch noch feststellt, dass die Werbebeilagen (Beispiel: Jede Woche ein eigenes Blatt im Blatt über Küchen? Wer braucht das?) immer dicker und häufiger werden, dann fragt man sich, ob der Euro pro Tag nicht besser zu investieren wäre. Bleibt zu hoffen, dass sich das irgendwann mal wieder ändert. Meiner Tageszeitung würde ich es wünschen.
Florian Ries
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