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Dienstag, 7. Februar 2012

Auf leisen Sohlen - von Florian Ries

Wir sind beruhigt. James Bond darf auch zukünftig Aston Martin fahren und seine Omega am Handgelenk zur Schau stellen. Die EU erlaubt Schleichwerbung unter Auflagen. Eine davon: Es muss deutlich auf die Werbung hingewiesen werden – ja, wie jetzt?

Stellen wir uns das mal vor: Oben links auf der Leinwand müsste eigentlich andauernd "Dauerwerbesendung" eingeblendet werden. Das hätte was. Naja, James Bond ist inzwischen sowieso zur Action-Posse verkommen und austauschbar, mir täte es nicht weh, Schwamm drüber. Und vielleicht sehen das die Damen und Herren von der EU ja auch gar nicht so eng – die transatlantischen Beziehungen sind so auch schon schwierig genug.
Ernst machen sie aber mit dem Fernsehen in der EU. Aber in umgekehrter Richtung. Da ist Schleichwerbung künftig nämlich erlaubt. Natürlich mit dem entsprechenden Hinweis. Nach dem Motto "Wenn ich ein Verbot nicht durchsetzen kann, dann mache ich die Schleichwerbung eben etwas weniger schleichend.
Da muss die Location jetzt immer doppelt so genau abgegrast werden, ob sich irgendwo ein Logo verbirgt, das man gegebenenfalls besser abklebt – sonst setzt es Hiebe. Umgekehrt kann endlich jeder Hintergrund, jedes Detail hemmungslos vermarktet werden. So ein Signet "Dauerwerbesendung" lässt sich doch im Tatort sicher gut unterbringen? Man schaut beim Bügeln sowieso nicht so häufig hin.
Und noch eine gute Nachricht, nicht vielleicht für die Zuschauer jeden Alters, sondern für die Sender und Agenturen: Jede halbe Stunde könnte schon ab 2009 ein Werbeblock erlaubt sein. Die bislang zulässigen Werbezeiten werden nach dem Willen der EU ausgeweitet, die bisherige Tagesobergrenze von drei Stunden wird aufgehoben. Fernsehfilme, und vor allem auch Kinder- (Pfui!) und Nachrichtensendungen können bald alle 30 Minuten unterbrochen werden.
Der EU-Text wird im Herbst verabschiedet. Den Mitgliedstaaten steht es allerdings frei, strengere Regeln zu erlassen. Wäre ja schön, wenn sie es täten. Sonst freut sich letztlich nur der DVD-Verleih.

Florian Ries

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