Dieses Jahr feiern wir Friedrich Schiller und sein kulturelles Erbe. Und dennoch trennen uns - möglicherweise - nur noch wenige Monate vom Offenbarungseid der deutschen Sprache. Wie das zusammenpasst? Fabelhaft! Der Rechtschreibreform sei Dank, dritter Aufzug, erste Szene. Oder doch schon fünfter Akt, zweite Szene? Man verliert so leicht den Überblick, heutzutage.
"Lass mich bloß mit Deiner PR-Kacke in Frieden", donnerte Frank nach dem zweiten Bier im Froschkönig. Hier treffen wir uns regelmäßig, wenn wir glauben, dass uns zu Hause oder im Büro die Decke auf den Kopf fällt. Frank ist fest angestellter Redakteur in einem kleinen Verlag, Rubrik Computer und Spiele. Das hat seine Vorteile. Während ich (armer PR-Berater) mich beim aktuellen Adventure auf Level Eins rumquäle und noch die passenden Cheats im Internet recherchiere, hat der Herr Fachredakteur schon die Beta-Version der nächsten Ausgabe auf dem Tisch.
Was bringt die Zukunft? Das wollten die Menschen schon immer gerne wissen. So hat sich die Zunft der Wahrsager über die Jahrhunderte gut gehalten. Und das trotz etlicher Misserfolge. Die Auguren Roms retteten Cäsar nicht vor den Iden des März. Und die Orakelsprüche von Delphi verstanden Hilfesuchende oft erst bei ihrem letzten Atemzug.
Ach, endlich ist hier zu Lande wieder die fünfte Jahreszeit ausgebrochen mit der Wucht einer mittelschweren Grippe-Epidemie. Gestern war Rosenmontag. Und weil es mir zu kalt zu regnerisch, zu voll oder zu laut ist, um mich selbst an die Strecke zu stellen, schaue ich mir die Zusammenfassungen der Züge meistens in der Glotze an.
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| Florian Ries |
Haben Sie es auch gelesen? Drei Prozent der Konsumenten trauen Werbefirmen. Das hat ein Institut in Großbritannien kürzlich in einer Umfrage herausgefunden. Nur Gebrauchtwagenhändlern vertraut der durchschnittliche Verbraucher weniger als dem Werber an sich!
"Du, bei Ikea ist gerade Knut", sagte meine Frau eines Morgens zwischen meinem ersten Kaffee (der, der mich genießbar macht) und meinem zweiten (der, den ich genieße). "Und was macht Knut gerade bei Ikea?", wollte ich fragen, wartete aber lieber einen Augenblick, ob mir vielleicht ein Knut in unserem Bekanntenkreis einfallen würde, der einen Zweitjob braucht. Sie müssen wissen: So viele Knuts gibt es nicht mehr heutzutage. Martin, Michael, Thomas, Frank klar, mit denen können wir die Straßen pflastern. Aber Knuts sind rar.
Wir haben es geschafft: Die heiligen drei Könige haben sich ins Morgenland zurückgezogen und der Weihnachtsbaum wartet auf seine Reinkarnation als Gartenmulch. Zeit für Besinnung gab es reichlich, jetzt kommt die Zeit der klaren Worte.
Es geht heute um Werbung. Und um Infotainment. Das nicht mehr ganz so neue Feigenblatt, hinter dem sich die Werbung jetzt versteckt. Zum Beispiel in Straßenbahnen. In meiner Stadt sind einige davon mit Monitoren ausgestattet, damit die Fahrgäste während der Fahrt von nützlichen Informationen profitieren können. Als ich kurz vor Weihnachten ins Zentrum fuhr, um noch eben ein paar Geschenke zu besorgen, konnte ich mir die Dinger mal genauer ansehen.
"Denke nie gedacht zu haben, denn das Denken der Gedanken ist gedankenloses Denken. Wenn Du denkst, dann denkst Du nur, Du denkst." Diese Sentenz habe ich dereinst von meinem Vater gelernt. Ist schon ein paar Jahre her. Mein Vater ist heute wie damals Arzt. Ich bin Schreiber. Nicht, dass beides miteinander zu tun hätte.
Allerdings in beiden Berufsständen spielt Sprache eine wichtige Rolle. In der Heilkunst zwar voll im Sinne des eingangs zitierten Idioms: Man fragt sich als Normalbürger, ob dies ein handfestes Paradoxon des Seienden an sich ist, oder schlicht und ergreifend hanebüchener Unsinn.